Hundesymposium Pforzheim - Vom Welpen zum Senior

3. Hundesymposium Pforzheim (22. - 24.03.2019)

Thema: Vom Welpen zum Senior – Stationen eines Hundelebens

Das erwartet dich

Bereits das 3. Mal findet das beliebte Hundesymposium von Canis Symposia in der Nähe von Pforzheim statt. An drei Tagen präsentieren Hundeexperten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ihre Erkenntnis aus der Praxis und der Forschung rund um den Hund

5% Rabatt auf alle Veranstaltungen

3. Hundesymposium Pforzheim

Thema: Vom Welpen zum Senior – Stationen eines Hundelebens

Termin: 22.-24.03.2019

Ort: Ameliussaal in Niefern Öschelbronn

Referenten: PD. Dr. Udo Gansloßer, Sophie Strodtbeck, Nadin Matthews, Dr. Iris Schöberl, Kate Kitchenham, Dr. Irene Sommerfeld-Stur, Harry Meister, Petra Krivy, Prof. Dr. Jürgen Zentek, Susie Last
Ab 120,00

Preise

Anmeldeschluss   28.02.2019
     
Frühbucherrabatt
(Verlängert bis 30.11.2018)
  300,- EUR
     
Normalpreis (Bis 03.02.2019)   350,- EUR
Last-Minute (Ab 03.02.2019)   300,- EUR
     

Einzeltickets

   
Freitag   120,- EUR
Samstag   130,- EUR
Sonntag   130,- EUR

Im Preis inbegriffen sind

Veranstaltungsort Ameliussaal

Unterkünfte

Hotel Goll

Hotel Goll beim 3. Hundesymposium Pforzheim
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Hotel Krone

Hotel Krone beim 3. Hundesymposium Pforzheim
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BEST WESTERN Queens Hotel

Best Western Queens Hotel beim 3. Hundesymposium Pforzheim
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Bürkl‘s Kirnbachtal – Hotel & Restaurant

Bürkl‘s Kirnbachtal – Hotel & Restaurant beim 3. Hundesymposium Pforzheim
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Hotel-Restaurant Scharfes Eck

Hotel-Restaurant Scharfes Eck beim 3. Hundesymposium Pforzheim
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Programmübersicht

Freitag, 22. März 2019

Einlass
12 Uhr

 

Petra Krivy
Welpenentwicklung und -förderung aus Züchtersicht

 

Susanne Last

Zusammen sind wir nicht allein – soziobiologische Betrachtung der Bedeutung von Gruppen für den Hund in seiner Entwicklung

 

Dr. Irene Sommerfeld-Stur
Gene und Umwelt - Interaktionen von der Wiege bis zur Bahre

 

After-Learn-Party

Samstag, 23. März 2019

Einlass
08:30 Uhr

 

Dr. Jürgen Zentek
Ernährung des Hundes - vom Welpen zum Senior

 

Sophie Strodtbeck
Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht besetzt - der Junghund in der Pubertät

 

Dr. Iris Schöberl
Bindungsorientierte Begleitung - Vom Welpen bis zum Senior

 

Harry Meister
Erziehungsverwahrlosung ein fürsorglicher Wahnsinn

 

Podiumsdiskussion

 

After-Learn-Party

 

Sonntag, 24. März 2019

Einlass
08:30 Uhr

 

Kate Kitchenham
Kluger Hund! Wie wir durch spielerische Beschäftigung die Entwicklung unserer Hunde optimal unterstützen und die Bindung vertiefen können

 

Nadin Matthews
Bis dass der Tod uns scheidet... - Über die Entwicklung, die Vielfalt und Analyse von Separationsproblemen

 

PD. Dr Udo Gansloßer
Genetische, rassetypische und individuelle Einflüsse auf das Verhaltensprofil - ist die Distanzlosigkeit ein Teil der Haustierwerdung und die Hyperaktivität eine Persönlichkeitsfrage??

*Änderungen vorbehalten. Der genaue Zeitplan wird noch bekannt gegeben.
Das Mitbringen des Hundes während der Veranstaltung ist nicht gestattet.

Die Themen unserer Hundeexperten

Freitag 22.03.2019

Thema von Petra Krivy

Welpenentwicklung und -förderung aus Züchtersicht

Hunde Expertin Petra Krivy
Hunde Expertin Petra Krivy

Als Züchter wünscht man sich einen Wurf gesunder, munterer Welpen, die sich prächtig entwickeln und ihren späteren Besitzern lange Zeit viel Freude bereiten. Doch was können Züchter und die zukünftigen menschlichen „Hundeeltern“ dazu beitragen?

  • Was ist bei der Partnerwahl und der Belegung zu beachten?
  • Warum ist Genetik definitiv NICHT alles?
  • Wie werden Anlagen erkannt und gefördert?
  • Warum ist „gut gewollt“ nicht immer auch „gut gemacht“?
  • Wie verläuft die Welpenentwicklung?
  • Welche Einflüsse wirken wann, wie und in welchem Umfang?

Der Vortrag thematisiert die Zucht von Hunden und die Welpenentwicklung bis zur 12. Lebenswoche aus dem Blickwinkel einer Züchterin, wobei aber auch verhaltensbiologische Aspekte ihre Berücksichtigung finden.

Thema von Susanne Last

Zusammen sind wir nicht allein - soziobiologische Betrachtung der Bedeutung von Gruppen für den Hund in seiner Entwicklung

Hunde Expertin Susanne Last
Hunde Expertin Susanne Last

Die Soziobiologie ist das Bindeglied zwischen Ethologie und Psychologie und ermöglicht uns einen erweiterten Blick auf das Verhalten von Tieren. Im Laufe des Lebens erhält der Hund Kontakt zu verschiedenen Sozialpartnern unterschiedlicher Spezies. Mit den Menschen lebt er zusammen, die Anwesenheit anderer Tiere muß toleriert werden und draußen trifft er mit Artgenossen zusammen.

Dies stellt eine große Herausforderung an den Hund dar. Wir erörtern, wie dies aus soziobiologischer Sicht gesehen werden kann durch den Vergleich mit wildlebenden Hunden und besprechen, wann wer mit wem welchen und wieviel Kontakt haben will und sollte.

Thema von Dr. Irene Sommerfeld-Stur

Gene und Umwelt - Interaktionen von der Wiege bis zur Bahre

Hunde Expertin Dr. Irene Sommerfeld-Stur
Hunde Expertin Dr. Irene Sommerfeld-Stur

Hundezucht ist eine verantwortungsvolle Sache. Hundezüchter schaffen Leben, Leben das viele Jahre lang für den Hund und seine Besitzer in einer möglichst erfreulichen und problemlosen Weise ablaufen soll. Lange Zeit war man der Meinung, dass es in erster Linie die Gene sind, die vom Züchter durch Selektion und sorgfältige Paarungsplanung im positiven Sinn beeinflusst werden können.

Dass es Interaktionen zwischen Genen und Umwelt gibt ist zwar lange bekannt. Aber erst die Erkenntnisse des recht jungen Wissenschaftszweigs der Epigenetik zeigen auf, in welchem Ausmaß die Umwelt den Genotyp moderieren kann. So sind es u.a. bereits Umwelteinflüsse denen Rüden und Hündin lange vor dem Deckakt ausgesetzt sind, die ihre Spuren in den Genen der Welpen hinterlassen.

Auch die gesamte Trächtigkeit und Säugezeit ist eine epigenetisch sehr wichtige Zeit. Danach sind es die Hundehalter die es in der Hand haben, durch optimale Gestaltung der Lebensbedingungen ihres Hundes das Beste aus dem genetischen Schatz, den sie vom Züchter übernommen haben, herauszuholen.

Im Vortrag werden die Grundlagen der Interaktion zwischen Genen und Umwelt erklärt und ihre Bedeutung vom Beginn des Lebens bis zum Tod an zahlreichen Beispielen demonstriert.

Samstag 23.03.2019

Thema von Dr. Jürgen Zentek

Ernährung des Hundes-vom Welpen zum Senior

Hunde Experte Dr. Jürgen Zentek
Hunde Experte Dr. Jürgen Zentek

Hunde haben in Abhängigkeit vom Alter unterschiedliche Ansprüche an ihre Ernährung. Die Art und Weise, wie Hunde gefüttert werden, unterliegt seit einigen Jahren großen Veränderungen. Dadurch ergeben sich viele Fragen, die in dem Vortrag aufgegriffen werden. Neben Fertigfutter spielen die Rohfütterung aber auch andere Varianten der Futterherstellung eine zunehmende Rolle.

Mit entsprechenden Grundkenntnissen können Hunde bedarfsgerecht mit den notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Insbesondere Welpen bzw. Junghunde sollten besonders sorgfältig gefüttert werden. Aufgrund der Wachstumsprozesse und der Entwicklung von Knochen, Muskeln und Organen sollte darauf geachtet werden, dass die wesentlichen Nährstoffe in passender Menge zugeführt werden. Das betrifft neben den Mineralstoffen und Spurenelementen auch Eiweiß in guter Qualität. Es hat sich gezeigt, dass eine nicht korrekte Versorgung mit Nährstoffen zu schweren Entwicklungsstörungen führen kann. Hier ist auch an das Problem der über Ernährung zu denken, eine zu hohe Energieaufnahme führt möglicherweise zu einer Wachstumsbeschleunigung und damit verbunden zu einer Überlastung des Skelettsystems. Dieses kann zu Schäden an Gelenken, Knochen und Sehnen führen. Ausgewachsene Hunde sind weniger empfindlich, doch gibt es auch hier in Abhängigkeit von der Art der Ernährung Probleme.

In diesem Zusammenhang werden auch Fragen der Barf- Fütterung angesprochen, die ja in den letzten Jahren immer populärer geworden ist. Viele Hundehalter praktizieren diese Art der Ernährung mit großem Engagement und sind gut informiert. Leider werden hier aber auch häufig Rezepturen eingesetzt, die zu einer Unter- oder Überversorgung mit kritischen Nährstoffen führen. Wie man hier möglichst korrekt verfährt, wird in dem Vortrag dargestellt. Die Senioren zeigen eine Reihe von Stoffwechselveränderungen und oft auch Erkrankungen, die eine besonders angepasste Ernährung erforderlich machen. Auch hier werden Beispiele und Optimierungsmöglichkeiten sowie die spezifischen diätetischen Möglichkeiten aufgezeigt.

Das und einiges mehr erfährst du im Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Zentek

Thema von Sophie Strodtbeck

Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht besetzt“ - die Pubertät des Hundes.

Hunde Expertin Sophie Strodtbeck
Hunde Expertin Sophie Strodtbeck

Eigentlich waren Sie mit den Fortschritten Ihres Kleinen ganz zufrieden, denn alles, was Sie Ihrem Welpen beigebracht haben, lernte er sehr schnell und zuverlässig. Insgeheim waren Sie auch immer sehr stolz, wenn er auf den ersten Pfiff angeschossen kam, sich auf Kommando sofort ins Platz warf und auch sonst ein Vorzeigehund war, um den Sie auf der Hundewiese beneidet wurden. Eigentlich, denn plötzlich war alles anders…

Von einem Tag auf den anderen haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kleiner nicht mehr weiss, was «Sitz» gleich wieder war, dass er sein tadelloses Sozialverhalten mit den Kinderschuhen an der Garderobe abgegeben hat und ihm zwischenzeitlich sogar sein eigener Name unbekannt vorkommt. Willkommen in der Pubertät, dem Alter, in dem der Halter vorübergehend anstrengend wird.

Anstrengend ist diese Zeit oftmals, weil sich die Prioritäten des eben noch so süssen, unkomplizierten und anhänglichen Welpen nun komplett verschieben. Er wird selbstständiger und zeigt ein gesteigertes Explorations-, also Erkundungsverhalten. Wichtig zu wissen ist, dass der Hund das keinesfalls tut, um seinen Halter zu ärgern!

Aus neurobiologischer Sicht entsteht in der Pubertät ein temporäres Frontalhirndefizit mit all seinen Folgen. Und da das Frontalhirn der Teil des Gehirns ist, der Impulse kontrolliert, Handlungen plant und die Folgen von Handlungen abschätzt, ist klar, dass der pubertierende Hund all das vorübergehend nicht leisten kann. Impulskontrolle und Risikoabschätzung sind also nicht unbedingt die Stärke pubertierender Junghunde….

Sophie Strodtbeck beleuchtet den hormonellen und physiologischen Teil der Vorgänge im Hundehirn.

Pubertierende sind oft nicht mehr in der Lage, andere einzuschätzen:

Sie lernen schlechter, vergessen Gelerntes und suchen nach dem großen Kick.Außerdem sind sie oft sind wechselhaft in ihren Stimmungen, schnell frustriert und entgleisen zuweilen emotional. Sie erscheinen also nicht nur unvernünftig, sie sind es auch...


Ihr Radius auf den Spaziergängen vergrößert sich massiv, Auseinandersetzungen mit anderen nehmen zu, Ängste und Unsicherheiten begleiten den Prozess und das Jagdverhalten wird ebenso ernsthaft entwickelt, wie die eigene Persönlichkeit. Außerdem machen sie erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Ziemlich viel in ziemlich kurzer Zeit, und der Versuch dieser kleinen Wundertüte etwas beizubringen, kann zur Herausforderung werden. Schuld daran sind die wohl auffälligsten Gehirnveränderungen im Leben eines Hundes.

  • Doch was passiert dort genau?
  • Welche Rolle spielen die Hormone?
  • Welche Anforderungen ergeben sich für die Erziehung?
     

Das und einiges mehr erfährst du im Vortrag von Sophie Strodtbeck 

Thema von Dr. Iris Schöberl

Bindungsorientierte Begleitung - Vom Welpen bis zum Senior

Hunde Expertin Dr. Iris Schöberl
Hunde Expertin Dr. Iris Schöberl

Hunde brauchen, wie wir Menschen eine sichere Bindungsperson an der sie sich orientieren können. In den verschiedenen Lebensphasen eines Hundes ändern sich jedoch auch die Bedürfnisse.

Ein Welpe benötigt noch sehr viel Unterstützung und Sicherheit. Der Junghund will bereits mehr Freiraum, um die Welt erkunden zu können, trotzdem braucht er auch den Rückhalt seines Halters.

Mit dem Alter werden Hunde oft wieder anhänglicher. In dem Vortrag wird besprochen, was eine sichere Bindung für den Halter und seinen Hund bedeutet. Die bindungsorientierten Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensphasen, vom Welpen bis zum Senior, werden entsprechend dargestellt.

Thema von Harry Meister

Erziehungsverwahrlosung bei Hunden – ein gesellschaftliches Phänomen

Nach dem 2. Weltkrieg sorgte das so genannte „Wirtschaftswunder“ – nicht nur in Deutschland! – rasch für einen steigenden Wohlstand und einen damit einhergehenden Konsumrausch. Als Kind der 50er- und 60er-Jahre „durfte“ ich miterleben, was der Satz „Unseren Kindern soll es mal besser gehen“ bedeutete: Breite Bevölkerungsschichten schufteten und krampften für ein „besseres Leben“, was insbesondere hiess, sich die geweckten Konsumwünsche befriedigen zu können.

 


Dennoch mussten wir noch auf Vieles verzichten oder hatten uns anzustrengen, wollten wir gewisse Wünsche realisieren. Selbst wenn es im ersten Moment frustrierend war, ein Bedürfnis nicht befriedigen zu können – also nicht nur dem Lustprinzip zu frönen –, hatte dies zweifellos auch sein Gutes: Wir lernten zu verzichten, uns zu gedulden oder auch, ganz wichtig, selber etwas zur Erreichung eines Zieles beizutragen. Alles „Kompetenzen“, um es in heutiger Terminologie zu formulieren, die sich im späteren Leben als sehr nützlich und hilfreich erwiesen.

Auch lernten wir, Sorge zu tragen, Für-sorge für andere zu haben, uns mit anderen über deren Erfolge mit zu freuen. Wir waren Teil von diesem Erfolg und wollten weiterhin solidarisch dazu beitragen, dass es uns allen gut ging.

Die damalige Hundehaltung widerspiegelte die damaligen gesellschaftlichen Werte und Normen – wie es die heutige für die heutigen tut. Ähnlich wie in der Kindererziehung war in meiner Jugend der Umgang mit Hunden von einem unzimperlichen, harten Stil geprägt – gleichsam Schwarze Pädagogik in der Kynologie. Kinder wie Hunde hatten sich anzupassen, sich ins gesellschaftliche Gefüge einzuordnen, ohne zu stören. Das konnte für beide auch mal schmerzlich sein. Zum Beispiel, als ich weinend nach Hause lief, weil ich von einem Hund gebissen worden war, den ich zuvor gereizt hatte. Eltern wie Grosseltern zeigten in solchen Situationen nicht etwa Mitleid mit mir, sondern quittierten mein Benehmen mit einer Ohrfeige. Ich war zweifach gestraft.

Auch Hunde erfuhren umgehend, wenn ihr Verhalten unangepasst war, sie wurden – wie ich – nicht selten physisch bestraft und gemassregelt. Dieses Mass war oft masslos bzw. unangemessen, für Hund wie Kind. Glücklicherweise wurde mit der Zeit in der Kinder- wie in der Hundeerziehung die körperliche Züchtigung obsolet. Dies aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt wegen ihrer „Nebenwirkungen“: Duckmäusertum, blinder Gehorsam, Folgsamkeit aus Angst konnten nicht länger sinnvolle Erziehungsziele sein. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die die Jahre nach 1968 brachten, zeigten sich auch im Umgang mit Hunden. Den Höhepunkt erreichte der „Wahnsinn“ in den 80er-Jahren, als materielle Werte dominierten und andere verdrängten.

Das Pendel schlug also – wie nicht anders zu erwarten – auf dialektische Weise in die Gegenrichtung aus: Die Reaktion auf die autoritäre Erziehung nach „alter Väter Sitte“ war der Laisser-faire-Stil, der bis heute von zu vielen Hundehaltern und -halterinnen praktiziert wird. Nicht nur Menschen, die in der hektischen Arbeitswelt sich überfordert fühlen oder es tatsächlich sind und deshalb mit ihrem Tier kaum Zeit verbringen, zähle ich dazu. Auch andere, die mit ihrem Liebling viel zusammen sind, lassen ihn verwahrlosen; statt ihn zu erziehen, verziehen sie ihn – aus Unwissenheit, falsch verstandener Liebe, Bequemlichkeit.

 


Erziehung ist ein wesentlicher Bestandteil des Sozialisationsprozesses, in dem Heranwachsende – Kinder wie Hunde – lernen, welches Verhalten in einer sozialen Gruppe akzeptiert wird, welche Normen und Werte gelten. Dafür braucht es weder beim Kind Schokolade oder Geldgeschenke noch beim Hund „Leckerli“ oder Klicker. Natürlich ist es einfacher, die Fresslust eines Hundes zu befriedigen und so kurzfristig sein Verhalten zu steuern, als sich zu überlegen, wie sich auf andere Weise längerfristig etwas bewirken liesse.

Materielle Geschenke vermögen soziale Zuwendung und mit dem Hund geteilte Zeit und Erlebnisse weder zu ersetzen noch zu kompensieren.

 


Die angemessene Antwort auf die Schwarze Pädagogik unserer Vorfahren lautet meiner Meinung aber nach nicht „laisser-faire“, sondern: „Ich interessiere mich für dich“. Ich plädiere für eine autoritative Erziehung, die Hunde (wie auch Kinder) führt, ihnen Orientierung und Halt gibt sowie ihre natürlichen Bedürfnisse achtet, um sie so wachsen zu lassen.

Die Frage, die sich also stellt, heisst: Was wäre zu beachten, um die Fähigkeiten auszubilden, die unser alltägliches Miteinander gestalten und ein soziales Zusammenleben ermöglichen? „Sitz“, „Fuss“ und „Platz“ sind nützliche „Kunststücke“, jedoch nicht das Wesentliche, was Caniden gesellschaftsfähig macht. Als vertrauensvoller Sozialpartner und als „Leittier“ habe ich Verantwortung zu übernehmen und einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, damit sich mein Hund positiv entwickeln kann. Authentisch, klar, verständlich und faire Grenzen setzend, darauf bedacht, diese auch selbst einzuhalten, dies sind wesentlichen Elemente und Haltungen einer gelingenden Hundeerziehung. Ein „Nein“, „Stopp“, „Lass das“ sind auch so zu meinen, und dürfen nicht aus Angst, die „Liebe“ des Hundes zu verlieren, in ein „Na gut, dann halt doch nicht“ pervertiert werden. Wir müssen aufhören, wie Zombies um die Hunde zu schleichen, sie in Watte zu packen, ja keinen Stress aufkommen zu lassen und ihnen ihren Willen zu lassen. So funktioniert ein soziales Zusammenleben nicht, sondern dies führt auf beiden Seiten nur zu Verlierern. Es gibt Momente im Leben, da muss sich ein Hund zurücknehmen, Frust aushalten und sich langweilen können.

 


Wichtige Zeitfenster während der Entwicklungsphasen sind evolutionär offen, um das in diesen Momenten Wichtige und im Wortsinn Not-Wendige lernen zu können. Nerven, Hormone, Botenstoffe und Gefühle sind genau darauf abgestimmt, wann was und wie aktiviert werden muss, damit sich das Tier der gegebenen oder veränderten Umgebung optimal anzupassen vermag. Kadavergehorsam oder dummes Herumblödeln helfen da wenig – im Gegenteil, sie erschweren oder verunmöglichen eine sinnvolle Sozialisation. Welche „Tools“ für eine optimale Verhaltensentwicklung im Zusammenleben mit einem Hund wichtig sind, dass versuche ich in meinem Beitrag aufzuzeigen und zu erläutern.

Sonntag 24.03.2019

Thema von Kate Kitchenham​

Kluger Hund! Wie wir durch soziale Motivation die Entwicklung unserer Hunde optimal unterstützen und die Bindung vertiefen können.

Hunde Expertin Kate Kitchenham
Hunde Expertin Kate Kitchenham

Die meisten Hunde lieben es, Neues zu lernen, Spaß zusammen mit ihren Menschen zu haben, über sich hinauszuwachsen – doch leider wird diese Freude am gemeinsamen Arbeiten von Menschen oft gar nicht abgefragt oder schon früh erstickt. Die Folge sind oft gelangweilte, unterforderte Hunde – die sich ihrem Schicksal entweder ergeben indem sie lethargisch und übergewichtig werden oder sich einer selbst ausgesuchten Beschäftigung widmen.

Kate Kitchenham zeigt anhand von praktischen Beispielen (Übungsaufbau, langsame Steigerung der Anforderung, Spaß beim Lösen eines Problems) wie wir Hunde unkompliziert und sinnvoll im Alltag fördern können. Im Vordergrund steht dabei immer der Spaß, so dass jedes “Lernen” eigentlich ein Spiel ist. Ganz nebenbei intensiviert diese fröhliche Form des Zusammenseins nicht nur die Problemlösefähigkeit, das “Mitdenken” des Hundes und die Kommunikation zwischen Mensch und Hund,  sondern die gemeinsame Aktivität und spannende Herausforderungen können die Mensch-Hund-Bindung enorm intensivieren.

Alltagstaugliche Kompetenzen, die Hunde beim spielerischen Training wie nebenbei erwerben sind zum Beispiel:

  • Erhöhte Konzentrationsdauer
  • Verfeinerte Beobachtungsgabe
  • Bessere Problemlösekompetenz
  • Verbesserte Impulskontrollfähigkeit in verschiedensten Situationen
  • Fein abgestimmte Kommunikation, auch und besonders auf Distanz
  • Schnellere Reaktion auf uns
  • Viel Spaß am gemeinsamen Tun


Gezeigt werden “Step-by Step Anleitungen” in Form von Foto und Film, jeweils ergänzt um den erzielten Effekt für den Hund. Unterfüttert wird der Vortrag mit spannender Theorie: was passiert im Gehirn beim Lernen? Wie wirkt sich Lob, Innigkeit, kurzes Innehalten, Spiel & Spaß auf die Bindung, Leistungsfähigkeit und Motivation unseres Hundes aus, welche Botenstoffe liegen diesen Effekten zugrunde? Welche Maßnahmen unterstützen schnelles Lernen? Wo lauern Gefahren beim “Beschäftigungswahn” und wann ist Spiel mehr Stress als Spaß? Und was muss in Punkto Lernen und Nähe bei Hunden aus dem Tierschutz beachtet werden?

Thema von Nadin Matthews​

Bis dass der Tod uns scheidet... - Über die Entwicklung, die Vielfalt und Analyse von Separationsproblemen

Hunde Expertin Nadin Matthews
Hunde Expertin Nadin Matthews

Das Erscheinungsbild ist ebenso mannigfaltig, wie die Ursachen. Zerstörte Gegenstände, Ausbruchsversuche aus Türen und Fenstern, Bell- oder Heultiraden, stilles Leid und Speichelseen vor der Haustür.

Manche Hunde können gar nie ohne die Nähe ihres Menschen sein. Andere wollen nicht, dass ihr Mensch allein geht und sie nicht dabei sein können. Wieder anderen wird erst nach einigen Stunden des Alleinseins langweilig. Und manche Hunde befürchten das Schlimmste, wenn sie ohne soziale Unterstützung vor ihren eigenen Dämonen stehen.

Soziale Lebewesen, die ohne Smartphone und soziale Netzwerke allein zu Hause bleiben sollen, können aus verschiedenen Gründen daran scheitern: Entwicklungsphasen, rassespezifische Problematiken, gelerntes Verhalten, Ängste, geringe Frustrationstoleranz, Einfluss von Erziehung und Haltungsbedingungen, Unter- und Überbeschäftigung, Traumata – vieles spielt hinein, oft sind Separationsprobleme nur ein Aspekt innerhalb einer größeren Problematik.

Der Vortrag liefert einen Überblick, Hinweise zur Analyse und die ein oder andere Lösungsidee.

Thema von PD. Dr Udo Gansloßer

Genetische, rassetypische und individuelle Einflüsse auf das Verhaltensprofil Ist die Distanzlosigkeit ein Teil der Haustierwerdung und die Hyperaktivität eine Persönlichkeitsfrage??

Hunde Experte PD Dr. Udo Gansloßer
Hunde Experte PD Dr. Udo Gansloßer

Die genetischen Methoden erlauben mittlerweile eine ganze Reihe von Untersuchungen zur Erkennung genetischer Dispositionen für bestimmte Verhaltenstypen, auch innerhalb von Rassen. So sind mittlerweile Genabschnitte des Oxytocinsystems identifiziert die für  besonders intensiv menschgerichtetes Verhalten bei Hunden, oder für verbessertes Bindungsverhalten verantwortlich sein dürften.

Auch Varianten des Serotoninsystems für Angst- und Panikanfälligkeit, oder spezielle Aggressionsprobleme sind bekannt, und im Dopaminsystem lauert die ADHSgefahr.

Rassetypische Eigenschaften in der Verhaltensausbildung beziehen sich beispielsweise auf die Persönlichkeitsachsen Geselligkeit, oder Offenheit für neue Erfahrungen, aber auch die Beharrlichkeit beim Lösen von Problemaufgaben oder die Bereitschaft zum Blickkontakt mit dem Menschen.

Überlagert aber werden alle diese Dispositionen von den Erfahrungen in der Sozialisation, die mindestens weit vor dem Deckakt beginnen und bis zum Ende der Pubertät reichen

„Ein Hund ist immer
das Spiegelbild seines Menschen.“

© Oliver Jobes, Erziehungs- und Verhaltensberater