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Dr. Irene Sommerfeld Stur mit dem Thema: Gewalt in der Hundeerziehung

Was ist überhaupt „Gewalt“ in Bezug auf Hundeerziehung und wo sind deine persönlichen Grenzen beim Einsatz von Methoden, Trainingstechniken oder Umgangsformen?

Gewalt ist für mich sicher nicht das was heute vielfach schon als Gewalt interpretiert wird. Ein mehr oder weniger scharfes „Nein“, ein leichter Rempler, auch gelegentlich mal ein Leinenruck (am Brustgeschirr) sind für mich durchaus akzeptable Dinge im Umgang mit Hunden. Allerdings immer nur in Bezug auf den individuellen Hund gesehen. Es gibt Hunde, bei denen ein leises „Nein“ reicht, andere muss man nachdrücklicher ansprechen.

Meine persönlichen Grenzen sind individual- und situationsbezogen. In einer gefährlichen Situation würde ich auch mal gewaltsam eingreifen um den Hund vor Schaden zu bewahren. Das passiert ja auch irgendwie reflektorisch. Als unlängst meine junge Hündin Anstalten machte in einen eingeschalteten Elektrozaun zu beißen, habe ich sie so angebrüllt, wie sie es von mir noch nicht kannte. Mit Erfolg, sie hat nicht in den Zaun gebissen und wird es hoffentlich auch nicht wieder versuchen.

In diesem Zusammenhang habe ich übrigens gerade erst eine sehr interessante Lernerfahrung mit meinen Hunden gemacht. Ich habe zur Zeit zwei Hündinnen, eine eineinhalbjährige, sehr souveräne Japanspitzhündin (Linya) und eine sechs Monate alte etwas unsichere Spanische Wasserhündin (Fiona). Die beiden verstehen sich sehr gut und spielen sehr viel miteinander wobei vor allem Rennspiele und Balgespiele durchgeführt werden. Und dabei geht es oft richtig zur Sache. Die kleine (inzwischen ist sie tatsächlich schon größer) Fiona wird von Linya gerempelt, gewuzelt, überrannt, niedergedrückt.

Das Ganze läuft auch umgekehrt, also schön ausgeglichen, mal ist die eine oben mal die andere. Als ich mit Fiona dann das erste Mal in einer Welpengruppe war, habe ich erwartet, dass sie mit den anderen Welpen in etwa genauso spielt – aber zu meinem Erstaunen hat sie sich vor anderen Welpen gefürchtet, ist jedesmal, wenn ihr einer zu nahe gekommen ist, zu mir geflüchtet und wollte partout nicht spielen. Meine Lernerfahrung daraus war, dass zum entspannten Spielen offensichtlich ein ausgeprägtes Grundvertrauen zum Spielpartner gehört. Zu Linya hat Fiona wohl das Vertrauen, dass auch bei grobem Spiel nichts ernsthaft Böses passiert – bei fremden Hunden fehlt dieses Vertrauen und da lässt sich die grundsätzlich eher unsichere Fiona lieber nicht drauf ein. Die souveräne Linya spielt übrigens mit jedem Hund dessen sie habhaft wird.

Und ich denke, dass man diese Überlegung auch auf den Umgang zwischen Mensch und Hund übertragen kann – wenn ein Hund das Grundvertrauen hat, dass ihm von seinem Menschen nichts wirklich Böses passiert, dann wird er auch gelegentlich gröberen Umgang tolerieren. Und auch wieder, das schon oben gesagte: der Umgang mit dem Hund sollte IMMER zu dem Einzelindividuum passen.

Ist Training und Umgang mit dem Hund auf der Grundlage ausschließlich positiver Verstärkung möglich?

Das kann ich nicht wirklich beurteilen, es erscheint mir allerdings unwahrscheinlich. Ich glaube auch, dass es für den Hund leichter ist zu begreifen was er nicht tun soll, wenn ihm das klar und eindeutig durch ein Abbruchsignal kommuniziert wird, als über den Umweg von positiv bestärkten Alternativangeboten. Und eines ist für mich klar: für ein erfreuliches Zusammenleben mit Hunden ist es notwendig Regeln aufzustellen und Grenzen festzulegen. Ich hatte übrigens das Glück, dass meine beiden Hunde bereits mit einem entsprechenden „Wortschatz“ von den jeweiligen Züchterinnen zu mir kamen. Beide kannten das Wort „nein“ und haben von Anfang an darauf entsprechend reagiert.

Wie schätzt du die Hundeszene in Deutschland ein: Was ist „Mainstream“, wie arbeiten die meisten Trainer, wie gehen die meisten Hundebesitzer mit ihren Hunden um?

Das kann ich auch nicht wirklich beurteilen, da wir mit der Hundeszene im Alltag nicht viel zu tun haben. Die wenigen Trainer, die ich bisher persönlich in meiner Rolle als Hundehalterin kennengelernt habe, haben durchwegs primär nach dem Belohnungsprinzip gearbeitet. Und die Hundehalter, die ich persönlich kenne, sind durchwegs nett zu ihren Hunden.

Wie sinnvoll sind Diskussionen in sozialen Medien zu diesem Thema. Produktiv oder nicht?

Wenn es denn wirklich Diskussionen gäbe. Das was in den sozialen Medien abläuft sind aber in den meisten Fällen keine Diskussionen sondern extrem polarisierte „nur meine Meinung ist richtig“ - Sermone. Und damit tatsächlich nicht wirklich produktiv. Im Gegenteil – sie tragen in erster Linie zur Verunsicherung, besonders von unerfahrenen Hundehaltern, bei. Und sie untergraben damit leider häufig den gesunden Menschenverstand. Und der wäre im Umgang mit unseren Hunden in Kombination mit dem was man landläufig als „Bauchgefühl“ bezeichnet wahrlich ein hilfreiches Instrumentarium.

„Ein Hund ist immer
das Spiegelbild seines Menschen.“

© Oliver Jobes, Erziehungs- und Verhaltensberater