Anita Balser - Unsere Expertin für Hunde

Anita Balser

Gründerin und Inhaberin der HundeTeamSchule; HTS-Hundetrainerin und Referentin. Arbeit mit Hunden seit 23 Jahren.

Anita Balser, die renommierte Hundetrainerin aus Mittelhessen reist seit vielen Jahren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz um ihre Botschaft „In der Muttersprache des Hundes“ weiterzugeben und Menschen zu stärken, damit sie ihre Hunde in ihrer vollständigen Tiefe erfassen und vertrauensvoll führen lernen.

Anita Balser orientiert sich in ihrer Vorgehensweise, die mehr Lebenseinstellung, als Methodik ist, am Verhalten von Hunden untereinander. Besonders Hunderudel beobachtet sie intensiv seit dem Jahr 2005. Die Jahre zuvor war sie selbst im Labyrinth der Hundeerziehungsmethoden unterwegs und kennt von ganz böse (Stachelhalsband, Leinenruck) bis ganz nett (ausschliesslich positive Bestärkung) alle Varianten aus eigenem Erleben.

„Als Hundetrainer musst Du den Menschen mehr lieben, als den Hund!“

ist einer ihrer Leitsätze. Der Mensch mit seinen Ängsten, Bewertungen, Mustern und Gewohnheiten steht im absoluten Mittelpunkt ihrer Arbeit. Sie zeigt einen Weg auf, der zurück zu einem echten Bewusst-Sein für die Wichtigkeit des eigenen Denkens, dem Wahrnehmen des eigenen Körpers und der für den Hund lebenswichtigen Authentizität führt.

Der Mensch lernt in der HTS echte Gespräche mit dem Hund zu führen und sich komplett sozial einzubringen, sowohl im Bereich des Respekts als auch im Zuneigungsbereich. Dieses soziale Einbringen danken die Hunde ihren Menschen in einer rasanten Veränderung ihres teilsweise schon sehr lange bestehenden Fehlverhaltens.

Es ist immer ein besonderes Erlebnis, den „Hund auf zwei Beinen“ persönlich oder auf den zahlreichen DVDs kennen zu lernen.

Veranstaltungen mit Anita Balser

Filme von Anita Balser (Werbung)

Anita Balser - öffentliche Videos

Interviews mit unserer Hundeexpertin Anita Balser

Thema: Hunde im Bett

Dürfen, bzw. dürften deine Hunde mit im Bett schlafen? Warum, bzw. warum nicht?

Ja, sie dürfen, tun es aber eher selten.

Alle meine Hunde durften das, besonders die Welpen. Im Welpenalter halte ich den direkten Körperkontakt sogar für sehr wichtig, besonders in den ersten Wochen. Der Welpe hat bisher zum Schlafen immer Kontakt mit seinen Geschwistern gehabt und man erleichtert sich und dem Welpen die Übergangsphase sehr, wenn man es zulässt.

Ich habe aber vollkommenes Verständnis für Hundehalter, die dies aus hygienischen Gründen nicht möchten. Die Aussage der Hund dürfte aus Rangordnungsgründen nicht im Bett schlafen halte ich allerdings für völligen Unsinn, kein Hund übernimmt die Weltherrschaft, wenn er im Bett schlafen darf.

Da ich viel in Hotels unterwegs bin lernen aber alle meine Hunde von klein auf, dass Hotelbetten absolut tabu sind und akzeptieren das ohne Probleme oder Nachfrage.

Meine Schäferhündin Motte schläft manchmal auf ihrer Zusatzdecke ein, die auf dem Bett liegt, geht dann aber schnell zurück auf den Boden. Und Rudi kuschelt und rangelt gerne vor dem Schlafen gehen, verzieht sich dann aber auch auf seine Decke.

Thema: Gewalt in der Hundeerziehung

Was ist überhaupt „Gewalt“ in Bezug auf Hundeerziehung und wo sind deine persönlichen Grenzen beim Einsatz von Methoden, Trainingstechniken oder Umgangsformen?

Das Wort "Gewalt" ist vorallem eine Sache der ganz persönlichen Definition, dass sollte man sich immer vor Augen führen.
Gewalt definiere ich damit, dass dem Hund Schmerzen zugefügt werden. Das geht für mich gar nicht, weder mit technischen Hilfsmitteln noch durch die Wut oder Hilflosigkeit des Hundehalters.
Methoden, die darauf abzielen dem Hund Futter oder Wasser vorzuenthalten, ihn dauerhaft den Sozialkontakt mit seinem Menschen zu entziehen sind für mich auch Gewalt. Zwar psychische Gewalt, aber die kann manchmal noch viel schlimmer sein.

Ist Training und Umgang mit dem Hund auf der Grundlage ausschließlich positiver Verstärkung möglich?

Sicherlich gibt es Mensch-Hund-Teams, wo das funktioniert und dann ist das auch in Ordnung. Die Menschen, die mit ihren Hunden zu mir kommen wollen aber erstens keinen rein "funktionierenden" Hund, sondern echte Verbundenheit und zweitens sind die meisten genau mit der rein positiven Bestärkung gescheitert oder wünschen sich einfach eine andere Ebene mit dem Hund.

Wie schätzt du die Hundeszene in Deutschland ein: Was ist „Mainstream“, wie arbeiten die meisten Trainer, wie gehen die meisten Hundebesitzer mit ihren Hunden um?

Das ist einfach: Der Mainstream arbeitet mit positiver Bestärkung.

Wie sinnvoll sind Diskussionen in sozialen Medien zu diesem Thema? Produktiv oder nicht?

Nein, sind sie definitiv nicht. Es ist schon in der persönlichen, direkten Kommunikation eine Herausforderung die eigene Definition von Gewalt so rüberzubringen, dass das Gegenüber klar erkennen kann, was gemeint ist.
Im Schriftbild, wo auch noch Körpersprache, Mimik und Betonungen fehlen ist das ein Ding der Unmöglichkeit!

Deshalb enden solche Diskussionen auch leider häufig in reinen Anfeindungen, völlig jenseits jeder Wertschätzung und Toleranz.

Thema: Die Frage nach dem WARUM?

Warum bist du eigentlich Hundetrainer, bzw. Hundeexperte geworden?

Als ich vor fast 25 Jahren begonnen habe als Hundetrainerin zu arbeiten, sah das Hundeschulangebot in Deutschland völlig anders aus als heute. Mein erster Hund Nero, ein großer, schwarzer Schäferhund aus dem Tierheim ging in Beschädigungsabsicht auf andere Hunde los und ich suchte verzweifelt nach Hilfe. Hundeschulen gab es schlicht keine und in den ortsansässigen Vereinen konnte oder wollte mir nach der ersten Teststunde Nero „live und in Farbe“ niemand helfen. Ich konnte nur früh morgens oder spät abends mit ihm spazieren gehen um sicher zu stellen, dass ich niemanden mit Hund traf und damit in Gefahr brachte. Bis zu seinem Tod waren das viele Jahre gefüllt mit Verzweiflung, Angst und Stress für beide Seiten.

Meine Motivation war und ist Menschen zu einem Weg mit Hunden einzuladen der sie vor solchen Emotionen, wie ich sie damals erlebte bewahrt oder sie davon befreit.

Heute bin ich Hundetrainerin, weil es nichts gibt, was ich mehr liebe und zu dem ich mich mehr berufen fühle als Menschen und Hunde in die größtmögliche Freiheit für beide Seiten zu begleiten.

Eine Freiheit, die Nero und ich niemals hatten. Danke Nero, ohne Dich wäre ich heute nicht die, die ich bin.

Thema: Einführung eines "Wesenstest"

Würde die Einführung eines "Wesenstest" für Zuchthunde der aktuellen Entwicklung von vermehrt unverhältnismäßigem Aggressionsverhalten beim Hund entgegenwirken oder spielt die Entfremdung der Menschen

Wesenstest jeglicher Art haben einen entscheidenden Nachteil: sie müssen standardisiert sein, sonst ist kein Vergleich und keine Auswertung möglich. Und selbst dann noch variieren nach meiner Erfahrung die Ergebnisse je nach dem welchen Hintergrund der jeweilige Prüfer hat und wie er die Prüfungsinhalte auslegt.

Alles in allem wird ein Wesenstest aus meiner Sicht der Individualität des Hundes und noch viel mehr der des Mensch-Hund-Teams nicht gerecht. Ein recht "einfacher" und gut veranlagter Hund kann in den falschen Händen gefährlich werden und ein eher starker und nach vorne orientierter Hund in der richtigen Hand lammfromm sein.

Was nach meiner Erfahrung tatsächlich in den letzten Jahren zugenommen hat ist die Artgenossenaggression, was auch unser Haupttätigkeitsfeld ist. Das, was wir da zur Zeit erleben sind nach meiner Ansicht die Folgen und Konsequenzen all der Jahre in denen reine WelpenSPIELgruppen als ultimative Möglichkeit zur Sozialisierung des Welpen angesehen wurden. Was beim Welpen noch süß und spielerisch aussah, wird spätestens in der Pubertät zum Problem. Dann noch die eine oder andere blöde Erfahrung plus eine futterbasierte Erziehung ohne Grenzen und schon ist sie da, die Leinenaggression.

Wenn ich manch herumquietschenden, mit Clicker, Futter und Dummy bewaffnendem Hundeführer beim Versuch zusehe, seinen Hund an einem anderen Hund vorbei zu dirigieren denke ich schon manchmal: Ob die "Moderne" wirklich der richtige Weg ist und was das den noch mit der Natur des Hundes zu tun hat.

Ich würde aber nicht soweit gehen zu sagen, die Ursache ist die Entfremdung des Menschen von der Natur. Es ist die Entfremdung des Menschen von sich selbst (als Teil der Natur) und es ist sein Bestreben danach "alles richtig machen zu wollen" und vorallem: Dem Hund nicht weh zu tun.

Grenzen aufzuzeigen und durchzusetzen, "Nein" zu sagen, körperlich einzuwirken wenn nötig, all das ist ja nicht mehr "modern". Der Mensch merkt gar nicht, wie er sich in seiner Arroganz alles besser zu wissen und zu können über die einfachsten Regeln hündischer Kommunikation erhebt um sich dann über die Konsequenzen zu wundern.

Und dann sollen Wesenstest retten, was noch zu retten ist. Überall wo Wesenstests quasi "zwangseingeführt" wurden, ist objektiv betrachtet nichts wirklich besser geworden, aber viele Individuen sind durch strenge Regeln hinten runter gefallen.

Die Hundeszene wandelt sich gerade, sehr viele sehen und erkennen die Folgen unserer modernen, positiv bestärkenden Erziehungswelle und denken um. Wenden sich wieder dem Wesen des Hundes zu und finden die natürlichen Gesetzmäßigkeiten wieder.

Ob sich das positiv auswirken wird, werden wir auch da erst in ein paar Jahrzehnten wissen.

Thema: Balljunkies

Führt das Ballwerfen (oder andere Gegentsände) immer zum Junkietum?

Nein, sicherlich nicht IMMER. Man sollte aber bedenken, was beim Ballwerfen zwischen Mensch und Hund passiert, auch wenn es nicht zum Junkietum führt.

Sozial passiert zwischen Hund und Mensch beim Ballwerfen nämlich NICHTS. Das einzige, was man mit Ballwerfen bezweckt ist das der Hund kurzzeitig körperlich ausgelastet wird. Will man das, kann man Ballwerfen. Denkt man aber, dies sei ein gemeinsames SPIEL, welches der Beziehung förderlich ist irrt man sich. Was nicht heißt, Ball werfen sei generell schädlich, nur für die Beziehung bringt es eben nichts.

Hat man einen Hund, mit dem man Schwierigkeiten im Freilauf hat, weil er sich zu weit entfernt sollte man das Ball werfen erst mal ganz sein lassen. Warum? Weil dabei die größtmögliche Befriedigung (das Schnappen des Balls) am am weitesten entfernten Punkt von mir stattfindet. Hier ist das Ballwerfen also kontraproduktiv und wirkt meinen erzieherischen Maßnahmen entgegen.

Ich persönlich bevorzuge "freie soziale Spiele" ohne Hilfsmittel. "Frei" bedeutet, dass das Spiel keinen Sinn und Zweck hat, man spielt um des Spielens willen. "Sozial" bedeutet, dass der Mensch sich einbringt mit allem was er hat: Seinem Körper, seiner Stimme und seiner Mimik. Und "Spiel" definiere ich als Gespräch zwischen zwei Sozialpartnern.

Stimmt die Beziehung und ist frei von Einschränkungen und belastenden Schwierigkeiten spricht nichts dagegen mit dem Hund AUCH MAL Frisbee zu spielen und daran Freude zu haben!

Einfach nur nicht zu einseitig (und zu faul) sein in der Spielart, dann wird auch kein Hund zum Junkie!

„Ein Hund ist immer
das Spiegelbild seines Menschen.“

© Oliver Jobes, Erziehungs- und Verhaltensberater